mein ganzes leben
Der Kölner Tom Gerhardt hat als Komödiant
den Dreier-Spagat geschafft: Seit zwei Jahrzehnten ist er
erfolgreich sowohl auf der Bühne als auch im Fernsehen
und im Kino.
Landesweit bekannt wurde er neben seinen Bühnen-Auftritten
vor allem durch die drastischen Kino-Kultfilme „Voll
Normaaal“, „Ballermann 6“ und „Siegfried“,
allesamt Publikumserfolge, und durch seine Sitcom „Hausmeister
Krause“, die die in Kürze 10jähriges Jubiläum
feiert und damit alle Rekorde schlägt, was Comedy-Serien
im deutschen Fernsehen angeht.
Wegen der Beliebtheit der Serie wiederholte
der Sender SAT 1 die insgesamt 80 Folgen im letzten Jahrzehnt
ständig, viele davon mehr als zehn Mal. Der beinharte
und unverbesserliche Spießer Dieter Krause ist auch
längst Kultfigur geworden, wird allerorten karikiert
und Karneval sieht man im ganzen Land als Krause verkleidete
Narren herumgeistern. Die Drehbücher schrieb Tom Gerhardt
selber, mit Hilfe wechselnder Autoren und dem Produzent Herman
Weigel. Die Abschieds-Staffel der Serie ist gerade fertig
geworden und wird in den nächsten Monaten gesendet.
Die Initialzündung zur Popularität
war aber eine andere Figur: Als bescheuerter Mofarocker „Tommie“,
mit zerfledderter Pudelmütze auf dem Kopf und einem rostigen
Auspuff in der Hand, überfiel Tom vor 2 Jahrzehnten die
TV-Nation mit den hemmungslosen Fantasien eines „echten
Asis“. Die unsägliche, stotternde Nacherzählung
von knallharten Action-Filmen – in denkbar dämlicher
Logik – schlug ein wie eine Bombe und wurde über
Nacht Kult. Die Auftritte lösten gleichermaßen
Lachkrämpfe aus wie fassungsloses Entsetzen.
Zusammen mit anderen Monstern aus dem täglichen
Leben präsentierte Tom Gerhardt „Tommie“
und seine Horror-Familie auf der Bühne und tourte jahrelang
unentwegt durch die deutschen Hallen. Der Publikumsansturm
auf die gnadenlosen Aufführungen (Regie: Joachim Lang)
war riesig: In den ersten Tour-Jahren strömten etwa 850.000
Zuschauer in die Säle und schon bald grassierte landesweit
das „Proll-Fieber“. Es dauerte nicht lang und
die ersten Comedy-Kollegen hauten in dieselbe Kerbe: Mit der
liebevollen Zuwendung zu den absoluten „underdogs“
hatte Tom Gerhardt einen ganzen Stand auf die Bühne gehoben,
der vorher sträflich vernachlässigt worden war.
Der Erfolg auf der Bühne war der Grund
dafür, dass die Produzenten Bernd Eichinger und Herman
Weigel die Zusammenarbeit im Kino vorschlugen – Held
der ersten beiden Filme wurde folgerichtig „Tommie“,
zu dem sich dann sein deutsch-italienischer Kumpel „Mario“
gesellte (gespielt von Hilmi Sözer). Noch für 2009
ist die Vollendung der „Trilogie der total glücklichen
Dummheit“ geplant: Ein dritter „Tommie & Mario“-Film
soll verfilmt werden (Produktion Bernd Eichinger), in die
Kinos dürfte der Film wohl 2010 kommen. Das Drehbuch
kommt von Tom Gerhardt und Franz Krause.
Neben den eigenen Kinofilmen hat Tom Gerhardt
Gastrollen in verschiedenen Kinofilmen übernommen.
Der Verlag Kiepenheuer & Witsch veröffentlichte ein
Buch von ihm: Es heißt „Aua“ und ist eine
Sammlung von Gedichten aus dem prallen Leben, die hier und
da schon mal an Wilhelm Busch erinnern können…
Bevor Tom Gerhardt beruflich Komödiant
wurde, arbeitete er u. a. als Fabrikarbeiter, Lastwagenfahrer,
Reiseleiter, Sprachlehrer und – nach dem Studium von
Deutsch und Philosophie - als Journalist bei verschiedenen
Tageszeitungen. Später wurde er freier Mitarbeiter beim
Westdeutschen Rundfunk, der u. a. auch einige Hörspiele
von ihm ausstrahlte.
Stand: März 2009
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